Resilienz ist ein Begriff, der in letzter Zeit überall auftaucht. Viele verstehen darunter die Fähigkeit, Stress besser auszuhalten oder einfach „widerstandsfähiger“ zu sein. Oft klingt es sogar so, als wäre Resilienz eine Art mentale Superkraft:
„Sie müssen einfach resilienter werden, dann halten Sie die Belastung aus.“
Doch dieses Bild ist verkürzt – und führt in die falsche Richtung.
Echte Resilienz bedeutet nicht, härter zu werden oder mehr auszuhalten.
Sie bedeutet, lebendiger, beweglicher, bewusster und innerlich stabiler zu werden.
Resilienz – kurz & einfach erklärt
Resilienz ist die Fähigkeit, Herausforderungen, Stress und Veränderungen (auf gesunde oder gesündere Weise) zu begegnen.
Sie entsteht aus dem Zusammenspiel von Körperzustand, inneren Haltungen, gelernten Mustern und unserer Bedeutungskonstruktion – und sie lässt sich trainieren.
Warum Resilienz mehr ist als mentale Stärke
Viele Menschen glauben, Resilienz sei eine Frage der Willenskraft oder Disziplin.
Moderne Forschung zeigt jedoch klar: Unser Erleben entsteht nicht im Kopf allein.
Es entsteht aus der Wechselwirkung unseres inneren Systems – aus körperlicher Verfassung, gelernten Mustern, innerer Haltung, früheren Erfahrungen und der Bedeutung, die wir einer Situation geben.
Dieses Gesamt-System umfasst:
- unser Körperbudget (Allostase)
- die Qualität unserer Selbstregulation
- unsere gelernten Muster
- unsere emotionale Haltung
- unsere Beziehung zu uns selbst und anderen
Wer genährt, wach und innerlich klar ist, erlebt dieselbe Situation häufig neutraler oder lösbarer.
Resilienz bedeutet, die Bedingungen zu schaffen, die gute Reaktionen überhaupt möglich machen.
Oder anders formuliert:
Resilienz heißt, unser inneres System so zu pflegen, dass wir bewusst, klar und flexibel handeln können. Und damit wird klar, dass es sinnvoll ist sowohl den Körper und den Geist zu stärken.
Resilienz beginnt im Körper und im Geist
Stress, Emotionen und unsere Reaktionen entstehen aus einem einzigen lebendigen Zusammenspiel von:
- körperlichen Signalen
- interozeptiver Wahrnehmung
- neuronalen Vorhersagen
- inneren Haltungen
- früheren Erfahrungen
Unser Nervensystem beeinflusst unser Erleben – und unser Erleben beeinflusst unser Nervensystem.
Beides bildet ein untrennbares Ganzes.
👉 Mehr dazu findest du im ausführlichen Artikel:
Selbstregulation als Schlüssel im Umgang mit Herausforderungen
Wie unsere Wahrnehmung Resilienz prägt
Wir erleben die Welt nicht so, wie sie ist.
Wir erleben sie so, wie unser inneres System sie erwartet – oder anders gesagt: wie unser Gehirn die Welt konstruiert.
Diese Konstruktion entsteht aus:
- unserem Körperzustand
- unseren inneren Einstellungen
- gelernten Mustern
- kulturellen Bedeutungen
- dem aktuellen Körperbudget
Ob eine Situation für uns neutral, herausfordernd oder bedrohlich wirkt, hängt von diesem Zusammenspiel ab.
Nicht die Situation allein bestimmt unser Erleben – sondern das lebendige Zusammenspiel unseres körperlichen Zustands, unserer Muster und unserer Haltung.
Resilienz entsteht dort, wo dieses Zusammenspiel weicher, bewusster und flexibler wird.
Resilienz wirkt nach innen – und immer auch nach außen
Ein häufiges Missverständnis lautet:
„Ich habe keinen Einfluss auf das Außen.“
Wahr ist: Wir können nicht immer beeinflussen, was auf uns zukommt.
Aber wir gestalten immer mit, wie wir in Beziehung dazu treten.
Und sobald sich diese innere Haltung verändert, verändert sich meist auch das Miteinander – im Ton, im Kontakt und in der Qualität der Begegnung.
Diese Dynamik lässt sich aus vier Perspektiven beschreiben, die sich gegenseitig ergänzen:
1. Relational – Beziehung ist ein Prozess
Wir können nicht beeinflussen, was uns begegnet – aber wir gestalten mit, wie wir in Beziehung damit treten. Diese Beziehung wirkt wieder zurück.
2. Systemisch – Innen und Außen entstehen gemeinsam
Eine Situation entsteht nie nur im Außen oder nur im Innen. Sie entsteht im Zusammenspiel. Wenn wir unser Muster verändern, verändert sich oft das äußere Geschehen.
3. Neurobiologisch – Wir gestalten das Feld zwischen uns
Wir haben keinen direkten Einfluss darauf, wie andere sich verhalten – aber wir beeinflussen das Feld, das zwischen uns entsteht. Wenn unser Muster weicher wird, verändert sich das Miteinander.
4. Tai-Chi-inspiriert – Bewegung verändert Beziehung
Wir kontrollieren nicht, was auf uns zukommt. Aber wir gestalten, wie wir uns dazu bewegen. Kräfte werden aufgenommen, angenommen und gewandelt. Und diese Bewegung verändert das Ganze.
Diese vier Perspektiven sind kein Widerspruch – sondern bilden ein Ganzes.
Sie zeigen:
Resilienz ist weder innen noch außen.
Sie zeigt sich im Kontakt zwischen beidem.
Drei Prinzipien, die Resilienz stärken: Annehmen – Loslassen – Gutes aufnehmen
Diese drei Schritte verbinden chinesische Lebenspflege (Yangsheng) mit moderner Psychologie.
Sie sind ein hilfreicher Weg, um im eigenen Geist Resilienz zu fördern.
1. Annehmen
Nicht wegdrücken, nicht dagegen ankämpfen, nicht ignorieren.
Zuerst wahrnehmen, was gerade da ist – körperlich, emotional, gedanklich.
Annehmen heißt: Das, was ist, darf erst einmal sein.
Ob ich es mag oder mir etwas anderes wünsche, spielt in
2. Loslassen
Innere Spannung lösen, Gedanken und Haltungen freigeben, die Enge erzeugen.
Loslassen bedeutet, die Interpretation weicher zu machen und dem Nervensystem Raum zu geben, sich neu zu organisieren.
3. Gutes aufnehmen
Bedrohungen speichert das Gehirn automatisch.
Das Gute hingegen müssen wir bewusst aufnehmen und verankern:
stärkende Gedanken, dankbare Momente, Verbundenheit, Achtsamkeit.
Diese drei Schritte funktionieren oft wie eine Spirale:
Annehmen – Loslassen – Gutes hineinlassen verstärken sich gegenseitig.
👉 Mehr dazu im Artikel:
Homöostase, Allostase & Körperbudget verständlich erklärt
Eine Alltagsszene, die zeigt, wie Resilienz funktioniert
Du kommst müde und hungrig nach Hause. Dein inneres System ist eng – Körperbudget niedrig, Gedanken angespannt.
Jemand fragt: „Warum hast du das nicht erledigt?“
Es wirkt sofort wie Kritik.
An einem anderen Tag – nach guter Regeneration und einer offenen inneren Haltung – hörst du denselben Satz als Rückfrage.
Das zeigt:
Resilienz verändert nicht nur unser Innenleben, sondern das gesamte Zusammenspiel mit der Welt.
Resilienz ist ein Prozess – kein Zustand
Niemand ist dauerhaft resilient.
Resilienz ist ein lebendiger Entwicklungsweg.
Es geht darum, jeden Tag ein Stück bewusster, weicher und verbundener mit sich umzugehen.
Resilienz entsteht durch kleine Schritte:
- kurze Atempausen
- weiche Bewegungen im Qigong und Tai Chi
- eine freundliche innere Haltung
- bewusstes Loslassen
- achtsame Regulation
Resilienz heißt: mit dem Leben arbeiten – nicht gegen es.
Wie du deine Resilienz ganzheitlich fördern kannst
durch die Ideen der chinesischen Lebenspflege (Yangsheng)
durch Qigong- & Tai-Chi-Praxis
durch die Veränderung deiner Denk- und Bedeutungsmuster
– Positive Neuroplastizität (Rick Hanson)
– Emotionskonstruktion (Lisa Feldman Barrett)
durch ein nicht-dualistisches Verständnis von Körper-Geist
Das Ziel ist nicht, immer mehr auszuhalten.
Sondern immer mehr anzukommen:
mit Klarheit
mit Verbundenheit
mit innerer Stabilität
In diesem Video geht es um die Regulation des Körpers, der Atmung und des Geistes. Wie kann ich mit Störungen umgehen, um in Stille stehen zu können. Störungen gibt es im Außen und im Innen. Mit dieser Übung kannst Du Deine Resilienz fördern
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