Einfach gesünder - Tai Chi, Qigong, Workshops für Privatpersonen und Unternehmen - mit Dirk Ortlinghaus

Einfach gesünder

Resilienz verstehen: Was sie wirklich bedeutet und wie wir sie stärken können

Resilienz ist ein Begriff, der in letzter Zeit überall auftaucht. Viele verstehen darunter die Fähigkeit, Stress besser auszuhalten oder einfach „widerstandsfähiger“ zu sein. Oft klingt es sogar so, als wäre Resilienz eine Art mentale Superkraft:

„Sie müssen einfach resilienter werden, dann halten Sie die Belastung aus.“

Doch dieses Bild ist verkürzt – und führt in die falsche Richtung.
Echte Resilienz bedeutet nicht, härter zu werden oder mehr auszuhalten.
Sie bedeutet, lebendiger, beweglicher, bewusster und innerlich stabiler zu werden.

Resilienz – kurz & einfach erklärt

Resilienz ist die Fähigkeit, Herausforderungen, Stress und Veränderungen (auf gesunde oder gesündere Weise) zu begegnen.
Sie entsteht aus dem Zusammenspiel von Körperzustand, inneren Haltungen, gelernten Mustern und unserer Bedeutungskonstruktion – und sie lässt sich trainieren.

Warum Resilienz mehr ist als mentale Stärke

Viele Menschen glauben, Resilienz sei eine Frage der Willenskraft oder Disziplin.
Moderne Forschung zeigt jedoch klar: Unser Erleben entsteht nicht im Kopf allein.

Es entsteht aus der Wechselwirkung unseres inneren Systems – aus körperlicher Verfassung, gelernten Mustern, innerer Haltung, früheren Erfahrungen und der Bedeutung, die wir einer Situation geben.

Dieses Gesamt-System umfasst:

  • unser Körperbudget (Allostase)
  • die Qualität unserer Selbstregulation
  • unsere gelernten Muster
  • unsere emotionale Haltung
  • unsere Beziehung zu uns selbst und anderen

Wer genährt, wach und innerlich klar ist, erlebt dieselbe Situation häufig neutraler oder lösbarer.
Resilienz bedeutet, die Bedingungen zu schaffen, die gute Reaktionen überhaupt möglich machen.
Oder anders formuliert:
Resilienz heißt, unser inneres System so zu pflegen, dass wir bewusst, klar und flexibel handeln können. Und damit wird klar, dass es sinnvoll ist sowohl den Körper und den Geist zu stärken.

Resilienz beginnt im Körper und im Geist

Stress, Emotionen und unsere Reaktionen entstehen aus einem einzigen lebendigen Zusammenspiel von:

  • körperlichen Signalen
  • interozeptiver Wahrnehmung
  • neuronalen Vorhersagen
  • inneren Haltungen
  • früheren Erfahrungen

Unser Nervensystem beeinflusst unser Erleben – und unser Erleben beeinflusst unser Nervensystem.
Beides bildet ein untrennbares Ganzes.

👉 Mehr dazu findest du im ausführlichen Artikel:
Selbstregulation als Schlüssel im Umgang mit Herausforderungen

Wie unsere Wahrnehmung Resilienz prägt

Wir erleben die Welt nicht so, wie sie ist.
Wir erleben sie so, wie unser inneres System sie erwartet – oder anders gesagt: wie unser Gehirn die Welt konstruiert.

Diese Konstruktion entsteht aus:

  • unserem Körperzustand
  • unseren inneren Einstellungen
  • gelernten Mustern
  • kulturellen Bedeutungen
  • dem aktuellen Körperbudget

Ob eine Situation für uns neutral, herausfordernd oder bedrohlich wirkt, hängt von diesem Zusammenspiel ab.

Nicht die Situation allein bestimmt unser Erleben – sondern das lebendige Zusammenspiel unseres körperlichen Zustands, unserer Muster und unserer Haltung.
Resilienz entsteht dort, wo dieses Zusammenspiel weicher, bewusster und flexibler wird.

Resilienz wirkt nach innen – und immer auch nach außen

Ein häufiges Missverständnis lautet:
„Ich habe keinen Einfluss auf das Außen.“

Wahr ist: Wir können nicht immer beeinflussen, was auf uns zukommt.
Aber wir gestalten immer mit, wie wir in Beziehung dazu treten.
Und sobald sich diese innere Haltung verändert, verändert sich meist auch das Miteinander – im Ton, im Kontakt und in der Qualität der Begegnung.

Diese Dynamik lässt sich aus vier Perspektiven beschreiben, die sich gegenseitig ergänzen:

1. Relational – Beziehung ist ein Prozess

Wir können nicht beeinflussen, was uns begegnet – aber wir gestalten mit, wie wir in Beziehung damit treten. Diese Beziehung wirkt wieder zurück.

2. Systemisch – Innen und Außen entstehen gemeinsam

Eine Situation entsteht nie nur im Außen oder nur im Innen. Sie entsteht im Zusammenspiel. Wenn wir unser Muster verändern, verändert sich oft das äußere Geschehen.

3. Neurobiologisch – Wir gestalten das Feld zwischen uns

Wir haben keinen direkten Einfluss darauf, wie andere sich verhalten – aber wir beeinflussen das Feld, das zwischen uns entsteht. Wenn unser Muster weicher wird, verändert sich das Miteinander.

4. Tai-Chi-inspiriert – Bewegung verändert Beziehung

Wir kontrollieren nicht, was auf uns zukommt. Aber wir gestalten, wie wir uns dazu bewegen. Kräfte werden aufgenommen, angenommen und gewandelt. Und diese Bewegung verändert das Ganze.

Diese vier Perspektiven sind kein Widerspruch – sondern bilden ein Ganzes.
Sie zeigen:

Resilienz ist weder innen noch außen.
Sie zeigt sich im Kontakt zwischen beidem.

Drei Prinzipien, die Resilienz stärken: Annehmen – Loslassen – Gutes aufnehmen

Diese drei Schritte verbinden chinesische Lebenspflege (Yangsheng) mit moderner Psychologie.
Sie sind ein hilfreicher Weg, um im eigenen Geist Resilienz zu fördern.

1. Annehmen

Nicht wegdrücken, nicht dagegen ankämpfen, nicht ignorieren.
Zuerst wahrnehmen, was gerade da ist – körperlich, emotional, gedanklich.
Annehmen heißt: Das, was ist, darf erst einmal sein.
Ob ich es mag oder mir etwas anderes wünsche, spielt in

2. Loslassen

Innere Spannung lösen, Gedanken und Haltungen freigeben, die Enge erzeugen.
Loslassen bedeutet, die Interpretation weicher zu machen und dem Nervensystem Raum zu geben, sich neu zu organisieren.

3. Gutes aufnehmen

Bedrohungen speichert das Gehirn automatisch.
Das Gute hingegen müssen wir bewusst aufnehmen und verankern:
stärkende Gedanken, dankbare Momente, Verbundenheit, Achtsamkeit.

Diese drei Schritte funktionieren oft wie eine Spirale:
Annehmen – Loslassen – Gutes hineinlassen verstärken sich gegenseitig.

👉 Mehr dazu im Artikel:
Homöostase, Allostase & Körperbudget verständlich erklärt

Eine Alltagsszene, die zeigt, wie Resilienz funktioniert

Du kommst müde und hungrig nach Hause. Dein inneres System ist eng – Körperbudget niedrig, Gedanken angespannt.
Jemand fragt: „Warum hast du das nicht erledigt?“
Es wirkt sofort wie Kritik.

An einem anderen Tag – nach guter Regeneration und einer offenen inneren Haltung – hörst du denselben Satz als Rückfrage.

Das zeigt:
Resilienz verändert nicht nur unser Innenleben, sondern das gesamte Zusammenspiel mit der Welt.

Resilienz ist ein Prozess – kein Zustand

Niemand ist dauerhaft resilient.
Resilienz ist ein lebendiger Entwicklungsweg.

Es geht darum, jeden Tag ein Stück bewusster, weicher und verbundener mit sich umzugehen.

Resilienz entsteht durch kleine Schritte:

  • kurze Atempausen
  • weiche Bewegungen im Qigong und Tai Chi
  • eine freundliche innere Haltung
  • bewusstes Loslassen
  • achtsame Regulation

Resilienz heißt: mit dem Leben arbeiten – nicht gegen es.

Wie du deine Resilienz ganzheitlich fördern kannst

durch die Ideen der chinesischen Lebenspflege (Yangsheng)

durch Qigong- & Tai-Chi-Praxis

durch die Veränderung deiner Denk- und Bedeutungsmuster
– Positive Neuroplastizität (Rick Hanson)
– Emotionskonstruktion (Lisa Feldman Barrett)

durch ein nicht-dualistisches Verständnis von Körper-Geist

Das Ziel ist nicht, immer mehr auszuhalten.
Sondern immer mehr anzukommen:

mit Klarheit

mit Verbundenheit

mit innerer Stabilität

In diesem Video geht es um die Regulation des Körpers, der Atmung und des Geistes. Wie kann ich mit Störungen umgehen, um in Stille stehen zu können. Störungen gibt es im Außen und im Innen. Mit dieser Übung kannst Du Deine Resilienz fördern

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Praktiziere diese Übung mit dem Film oder auch einfach nur als Ton. 

Die Autoren

Dirk Ortlinghaus - Gründer von "Einfach Gesünder"

Dirk Ortlinghaus

Ich bin Dirk Ortlinghaus – selbstständiger Stressmangement-Trainer, Gesundheitscoach, Tai Chi- & Qigong Lehrer.

Bettina Sieber - Mitglied im Team "Einfach Gesünder"

Bettina Sieber

Ich bin Bettina Sieber, zertifizierte Tai Chi Lehrerin, Kommunikationsmanagerin und arbeite im Medizin- und Gesundheitsbereich.